Am Montag den 8. September haben wir im Weltladen außergewöhnlichen Besuch bekommen: Zwei Mitglieder der Kooperative El Ceibo aus Bolivien waren für ein Gespräch zu Gast im Weltladen. Der Geschäftsführer und ein Vorstandsmitglied haben nach mehreren Terminen in Deutschland - u.a. bei der Messe FAIR 2014 in Dortmund - auch in Bonn Station gemacht und dabei die Gelegenheit genutzt, den Weltladen zu besichtigen und sich im Gespräch mit den Ehrenamtlichen auszutauschen.

Für uns war dies sehr spannend, da wir direkt aus erster Hand Hintergründe über die Kooperative erfahren konnten, die schon seit den 70er Jahren Kakaobauern und -bäuerinnen vereint und die erste Kooperative überhaupt war, die für Importorganisationen des Fairen Handels wie GEPA oder El Puente fair gehandelten Kakao produziert hat.

Bernardo Apaza, der Geschäftsführer von El Ceibo, berichtete uns von den Anfängen der Kooperative und davon, wie wichtig der Faire Handel gerade am Anfang für sie war. Dank der guten Handelsbedingungen konnte die Kooperative schon früh in Qualität und Infrastruktur investieren und hat dadurch seit den 1990er Jahren sogar eine eigene Kakaoverarbeitung und Schokoladenproduktion aufgebaut. Andere Vorteile der Mitglieder sind ein eigenes Krankenversicherungssystem und zahlreiche Fortbildungsmaßnahmen. Mittlerweile verarbeitet El Ceibo 75% seiner Produktionsmenge für den nationalen Markt und ist dort bekannt für hochwertige Schokoladenprodukte. Der Rest der Produktion geht in den Fairen Handel. Ein Großteil der Produktionsmenge ist darüber hinaus bio-zertifiziert. Meist werden jedoch nicht die ganzen, ungerösteten Kakaobohnen, sondern verarbeitete Produkte wie Kakaopulver, -butter, -masse oder Schokoladentafeln exportiert. Dadurch bleibt ein größerer Teil der Wertschöpfung in Bolivien und mehr Arbeitsplätze werden bei El Ceibo geschaffen.

Hier in Deutschland und bei uns im Weltladen gibt es von El Ceibo zum Beispiel Bio Kakaopulver von El Puente oder der GEPA zu kaufen, das direkt in der Fabrik in La Paz hergestellt wird, aber auch zahlreiche Schokoladensorten wie z.B. die Mascao-Serie von El Puente und die Fairetta-Riegel und die Minz-Schokolade der GEPA. Darüber hinaus wird der Kakao von El Ceibo auch in Keksen verarbeitet, wie beispielsweise den Bio Schoko-Orangen-Talern der GEPA. Unsere beiden Besucher haben sich daher auch besonders gefreut, als wir ihnen erzählt haben, dass in diesen leckeren Keksen, die es zu Kaffee und Tee gab, ihr eigener Kakao steckt.

Da die ProduzentInnen bei El Ceibo - derzeit etwa 1200 Familien - für Kleinbauern relativ große Flächen von 12 bis 20 Hektar besitzen, können sie vom Kakaoanbau gut leben und viele schicken ihre Kinder auf weiterführende Schulen und an die Universität. Bernardo Apaza befürchtet daher, dass die Kooperativenmitglieder in ein paar Jahren nicht genügend Nachfolger im Kakaoanbau finden könnten, weil die Jugend mit hohen Bildungsabschlüssen nicht mehr in der Landwirtschaft arbeiten möchte. Bisher schuf El Ceibo jedoch einige Arbeitsplätze im Verwaltungs- und Wirtschaftsbereich, die gut ausgebildete Kinder von Kooperativenmitgliedern übernommen haben.

Als wir danach fragten, was sich für El Ceibo im Fairen Handel noch verbessern könnte, berichtete Bernardo Apaza von den recht hohen Zertifizierungskosten und dem hohen Aufwand für die verschiedenen international anerkannten Siegel (ökologischer Anbau und Fairer Handel), die El Ceibo in regelmäßigen Abständen erneuern muss. Sein Lösungsvorschlag wäre es, alle Überprüfungen von allen Siegeln gleichzeitig und aus einer Hand durchzuführen, damit sich der Aufwand für die Kooperative nicht multipliziert. Das ist ein bekanntes Problem, über das bei den Zertifizierungs-Organisationen auch gerade stark diskutiert wird - vielleicht wird sich hier die Situation für El Ceibo in Zukunft verbessern.

Grundsätzlich sind die Mitglieder von El Ceibo jedoch sehr zufrieden mit dem Fairen Handel und der Sicherheit sowie den guten Preisen, die er ihnen garantiert. Aktuell ist es ihr Ziel, die Produktion und den Export von hochwertigen Schokoladentafeln aus der eigenen Fabrik in La Paz auszuweiten. Sie haben uns gleich auch ein paar Kostproben ihrer hochwertigen Schokolade mitgebracht - und wer weiß, vielleicht wird es ja in Zukunft in Bonn nicht nur Schokolade aus dem Kakao von El Ceibo zu kaufen geben, sondern auch welche, die komplett vor Ort produziert wurde? Ein paar Fans hätte sie jedenfalls schon!

 

 

 

 

 

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