Die Aktion ist im März 2016 beendet worden.

Gebt eure Handys in unserer Sammelkiste für SÜDWIND ab - und unterstützt damit gleich zwei gute Zwecke!

Laut einer Umfrage von Bitkom liegen in Deutschland etwa 106 Millionen Handys ungenutzt in Schubladen. Drei Viertel der Bevölkerung hat mindestens ein altes Handy daheim gelagert, ein Viertel sogar zwei, und einige Menschen haben drei oder mehr ungenutzte Handys. So kommen wir auf etwa 1,3 Handys  pro Person - und das sind nur die ungenutzten Handys!

Die Umfragen zum Thema ergaben auch, dass viele Menschen nicht wissen, was sie mit einem alten Handy tun können oder dass sie den örtlichen Sammlungen nicht zutrauen, das Handy angemessen zu recyceln. Das wichtigste dabei ist, dass das Handy auf keinen Fall verbotenerweise im Müll landet - denn es steckt voller Schwermetalle und anderer Schadstoffe, die so auf einer Deponie oder in der Müllverbrennung landen würden. Ein zweiter Nachteil davon wäre, dass viele Rohstoffe unwiederbringlich verloren gehen würden - davon einige seltene und wertvolle Metalle wie Silber, Gold und Platin.

 In einem Handy stecken bis zu 60 Stoffe, darunter 30-40 Metalle. Den größten Anteil haben Kunststoff (etwa die Hälfte), Kupfer für die Drähte (15 %) und das Glas für das Display, aber den Recyclingwert eines Handys machen vor allem die Stoffe aus, die auf den ersten Blick unsichtbar bleiben: Das Gold, Silber und Platin in den Leiterbahnen, Kobalt in den Akkus, Tantal in den Kondensatoren. Ein paar besonders wichtige Stoffe, die nur in winzigsten Mengen verbaut werden - z.B. Indium, Gallium und Seltene Erden - kann man leider aktuell noch nicht recyceln, daran wird aber viel geforscht, denn gerade Indium und Gallium gehören zu den seltensten Stoffen auf diesem Planeten - und sie sind aktuell aus Touchscreens und ähnlichen Bestandteilen von Elektronik nicht wegzudenken. Neben der Rohstoffknappheit sollte man auch bedenken, dass viele dieser Rohstoffe unter extremen Umweltschäden oder unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen gefördert und zu Bauteilen und Geräten verarbeitet werden. Lebensfeindliche Mondlandschaften, Zwangsarbeit, Kinderarbeit, durch Rohstoffabbau finanzierte Konflikte, ungesicherte Bergbaustollen mit hohen Unfallraten, Arbeitszeiten von z.T. über 60 Stunden in der Woche - all das steckt auch in unseren Handys. Und je mehr Stoffe recycelt werden, desto weniger Rohstoffe müssen für neue Geräte gefördert werden.

Auch falsche Entsorgungspraktiken führen zu Problemen: In Ghana, aber auch in anderen Ländern wie Nigeria, China und Indien, sind riesige illegale Elektroschrott-Müllkippen entstanden, auf denen sich unser Wohlstandsmüll sammelt und unter umwelt- und gesundheitsschädlichen Bedinungen "recycelt" wird. Bei diesem einfachsten Recycling werden z.B. plastikummantelte Kabel und Drähte auf offenen Feuern verbrannt, um das Kupfer darin herauszuschmelzen. Oder Platinen von Elektronikgeräten werden in flachen Pfannen gekocht, um die Metallbestandteile abzulösen und schließlich in hochkonzentierten Säurebädern die Metalle wie Gold und Silber zu trennen und zu sammeln. Und das ganze natürlich unter einfachsten Bedingungen, ohne jeden Arbeitsschutz. Dass dabei nur kleine Mengen der Rohstoffe tatsächlich herausgelöst und recycelt werden können - zum Beispiel nur etwa 25 % des Goldes statt 95 % wie in modernen Reyclinganlagen und 0 % des Platins - führt dazu, dass viele Rohstoffe verloren gehen und z.T. als Schwermetalle die Luft, das Wasser und den Boden der Umgebung verseuchen.

Exporte von Elektroschrott aus der EU sind verboten, da es sich um Schadstoffe handelt. Trotzdem finden sich auf diesen Kippen europäische und amerikanische Geräte in Massen. Wie und warum? Sie werden z.B. illegal als funktionierende Gebrauchtware exportiert - was bei funktionierenden Geräten erlaubt und sinnvoll ist, der Zoll hat jedoch nicht die Kapazitäten, jeden Container und darin jedes Gerät auf seine Funktionstüchtigkeit zu überprüfen, so dass viel Schrott als Gebrauchtware die EU verlässt. Andere Wege sind z.B. die Geräte und Metalle bei öffentlichen Spermüllterminen von den Straßen mitzunehmen. Man sollte also darauf achten, wo und wie man sein Handy recycelt!

Städtische und kommunale Sammlungen funktionieren ganz gut, aber oft werden Kleingeräte wie Handys, die auf minimalem Raum viele wertvolle Rohstoffe enthalten, von größeren Geräten wie Druckern, Fernsehern, Toastern usw. nicht getrennt recycelt. Das macht es fast unmöglich, die Platinen mit den Edelmetallen effizient zu behandeln, so dass nicht alle Recyclingmöglichkeiten ausgeschöpft werden. Eine separate Sammlung und Behandlung von defekten Handys macht daher am meisten Sinn. Man kann mittlerweile bei jedem Mobilfunkanbieter sein Altgerät zurückgeben - die Unternehmen arbeiten mit Recyclinginitiativen und -unternehmen zusammen, so dass man sicher sein kann, dass das Handy gut aufgehoben ist. Man kann sein Handy aber auch direkt an Recyclinginitiativen geben, die damit einen guten Zweck fördern. Z.B. Umweltschutzprojekte wie beim NABU und der DUH, oder die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen, die über Rohstoffe und Recycling forschen und die Öffentlichkeit mit Informationen versorgen. Eine dieser Organisationen ist das in Bonn ansässige SÜDWIND-Institut, an das unsere gesammelten Handys gehen.

Seit Ende vergangener Woche steht bei uns ein Sammelkarton der Aktion Happy Handy. Für jedes eingeworfene Handy erhält Südwind eine Spende von 1 €. Die Handys werden deutschlandweit für Happy Handy gesammelt und dann bei drei verantwortungsvollen Betrieben recycelt, die mit modernsten Methoden viele Rohstoffe zurückgewinnen können. Wenn Sie also ein altes Gerät bei sich liegen haben, das nicht mehr funktioniert - funktionierende Geräte sollte man am Besten an Menschen, die sie brauchen können verschenken oder verkaufen, denn das spart noch mehr Ressourcen - können Sie es einfach bei uns in die Kiste werfen. Die Kiste wird erst für das Recycling wieder geöffnet, doch sicherheitshalber sollten Sie am besten vorher alle Daten löschen und Simkarte und SD-Karten entfernen. Auch Ladegeräte und anderes Handyzubehör können in die Kiste eingeworfen werden und werden recycelt.

Bei uns abgegebene Geräte unterstützen also zwei gute Zwecke: die Wiedergewinnung wertvoller und knapper Ressourcen und die Informations- und Forschungsarbeit!

Weitere Informationen:

Studien und Factsheets des SÜDWIND-Institutes zum Thema Handys und metallische Rohstoffe

Die Sammelaktion Happy Handy und Hintergrundinformationen

Interaktive Seite der Verbraucherzentrale NRW: Was steckt wo im Handy?

 

Bildquellen:

1. Abbildung: Foto des Weltladen Bonn e.V.

2. Abbildung: Deutsche Umwelthilfe auf FlickR mit CC-Lizenz (by-nc-nd)

3. Abbildung: Infografik der Aktion Happy Handy

4. Abbildung: SÜDWIND-Institut

5. Abbildung: Infografik der Aktion Happy Handy

 

 

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